Zum Hauptinhalt springen

Wertverlust bei Pflegeleistungen: Bundesregierung lässt Pflegebedürftige im Stich

Pressemitteilung von Evelyn Schötz,

"Wir erleben eine stille Krise des Pflegesystems, in der die Würde von Pflegebedürftigen zunehmend vom Geldbeutel abhängt. Seit der Einführung der Pflegegrade im Jahr 2017 haben fast alle zentralen Leistungen der Pflegeversicherung massiv an Kaufkraft verloren. Was nominal nach kleinen Erhöhungen aussieht, ist in Wahrheit eine reale Kürzung für jene, die auf Unterstützung angewiesen sind", erklärt Evelyn Schötz, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, zur Antwort der Bundesregierung auf ihre Kleine Anfrage zur "Realen Wertentwicklung von Pflegeversicherungsleistungen". Schötz weiter:

"Die Zahlen entlarven die schleichende finanzielle Belastung von Millionen Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen: So ist der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen real von 4.000 Euro auf 3.224 Euro geschrumpft, während der Entlastungsbetrag mit einem realen Wert von nur noch 101 Euro kaum noch Hilfe im Alltag ermöglicht. In der vollstationären Pflege ist bereits wieder ein Drittel der Beziehenden auf Sozialhilfe angewiesen.

Wenn Leistungen auf dem Papier stabil wirken, aber real wegschmelzen, wird Pflege zur privaten Armutsfalle. Ein 'Zukunftspakt Pflege' darf kein Mogelpaket sein, das die reale Entwertung von Pflegeversicherungsleistungen einfach ignoriert. Stattdessen braucht es eine automatische Dynamisierung aller Pflegeleistungen und den Umbau zur Solidarischen Pflegevollversicherung. Eine höhere Beitragsbemessungsgrenze, die Einbeziehung der Privatversicherten in das Solidarsystem und die Ausweitung der Beitragspflicht auch auf Mieteinkünfte und Kapitalerträge würden unsere Pflege gerechter und zukunftsfester machen."

Wenn Leistungen real entwertet werden, wird Pflege zur Armutsfalle

Ein Beispiel aus dem echten Leben: Gertrud, 82 Jahre alt, will zu Hause alt werden, doch der Alltag wird zur Zerreißprobe. Ihr Badumbau zur barrierefreien Dusche ist kaum möglich, weil der 4.000-Euro-Zuschuss real nur noch 3.224 Euro wert ist. Auch ihr Entlastungsbetrag von 125 Euro reicht kaufkraftbereinigt nicht einmal mehr für 100 Euro an Hilfe. Was Gertrud sich nicht mehr leisten kann, landet auf den Schultern ihrer Tochter, die unbezahlt neben Beruf und Familie einspringt. Gertruds Fall steht für Millionen Betroffene.

Besonders alarmierend ist die Situation des Zuschusses für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, der in allen Pflegegraden von 2017 (4.000 Euro) bis 2025 (3.224 Euro) einen Wertverlust von über 21 Prozent erfahren hat. Angesichts der massiv gestiegenen Handwerker- und Materialkosten ist das ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben wollen.

Auch zeigt sich das Versagen der Bundesregierung beim Entlastungbeitrag. Dieser blieb acht Jahre lang bei 125 Euro eingefroren, während die Lebenshaltungskosten explodierten. Im Jahr 2025 war dieser Betrag real nur noch 101 Euro wert – ein Kaufkraftverlust von 19 Prozent. Wer Hilfe im Haushalt oder Alltagsbegleitung benötigt, bekommt heute für das gleiche Geld deutlich weniger Stunden an Unterstützung als noch vor acht Jahren.

In der vollstationären Pflege ist die Lage nicht minder prekär. Die Basis-Leistungsbeträge wurden so mangelhaft angepasst, dass beispielsweise im Pflegegrad 4 der reale Wert von 1.775 Euro im Jahr 2017 auf nur noch 1.431 Euro im Jahr 2025 gesunken ist. Zwar versucht die Regierung dies durch Zuschläge zu kaschieren, doch die nackten Zahlen zeigen: Ein Drittel der Heimbewohner ist bereits wieder auf Hilfe zur Pflege angewiesen.


Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Reale Wertentwicklung von Pflegeversicherungsleistungen“