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Artenvielfalt

Themenpapiere der Gruppe

Wir befinden uns auf der Erde im größten Artensterben seit dem Zeitalter der Dinosaurier. Rund eine Million der weltweit acht Millionen Tier und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Die Ursachen für dieses Massensterben in der Natur liegen in der Produktions- und Lebensweise der Menschheit, die mit Klimaerhitzung, Wilderei, Umweltverschmutzung, verschwenderischer Ressourcenverbrauch sowie großflächiger Rohstoffabbau, industrielle Landwirtschaft, Überfischung der Meere oder einem hohen Verbrauch von Flächen verbunden ist.

Besonders die Erhitzung des Klimas steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Verlust der biologischen Vielfalt. Maßnahmen gegen die zunehmende Erhitzung des Klimas schützen daher gleichzeitig die biologische Vielfalt.Um den Schutz der Biodiversität weiter voranzutreiben, müssen verschiedenste Politikprozesse und -bereiche sowie deren Handlungsebenen bezüglich des Klima- und Artenschutzes in Einklang gebracht werden. Dazu gehört beispielsweise ein Umsteuern bei Verkehr, Industrie und unserer derzeitigen landwirtschaftlichen Praxis aber auch ein bewussterer und verantwortungsvollerer Umgang beim Verbrauch von Flächen und Ressourcen. Vor allem der hohe Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt dazu, dass Bestäuber wie Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge auszusterben drohen. Diese Insekten sind jedoch enorm wichtig. Nicht nur für die Sicherung des globalen Nahrungsmittelbedarfs, sondern auch für ein funktionierendes Ökosystem.

Auch Wilderei und illegaler Artenhandel bedrohen die Existenz vieler Tierarten wie Elefanten, Nashörner oder Löwen und fördern zudem in manchen Regionen politische und soziale Spannungen. Der illegale Handel mit Wildtieren ist mit einem Volumen von etwa 10 Milliarden US-Dollar nach Menschen- und Drogenhandel sowie Produktpiraterie der viertgrößte illegale Handel weltweit. Vor allem in Teilen Sub-Sahara-Afrikas finanzieren sich kriminelle Banden oder Terrormilizen teilweise durch den illegalen Handel mit Elfenbein oder Rhinozeros-Horn. Somit gefährden Wilderei und illegaler Wildtierhandel nicht nur die Existenz bestimmter Arten, sondern tragen auch einen nicht unwesentlichen Teil zur politischen und sozialen Destabilisierung ganzer Regionen bei.

Doch nicht nur an Land sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht, auch unter Wasser spitzt sich die Lage immer weiter zu. Intakte Meeresökosysteme spielen für das Klima sowie für die Ernährung der Weltbevölkerung eine außerordentliche Rolle. In den Ozeanen, Seen und Flüssen wimmelt es vor Leben in unterschiedlichsten Formen. Speziell die Tiefsee ist bislang völlig unerforscht und beherbergt unzählige teils unbekannte Arten. Durch Klimawandel, Überfischung, Umweltverschmutzung oder Rohstoffabbau gerät die maritime Vielfalt jedoch immer weiter in Bedrängnis. Viele Fischbestände sind bereits überfischt, Millionen Tonnen Plastik schwimmen in den Ozeanen umher und ein immer dichter werdender Schiffsverkehr und der damit einhergehende Lärm- und Schadstoffausstoß stellen vor allem für Meeressäuger wie Delfine und Wale eine große Gefahr dar.

Um die Artenvielfalt national und international besser zu schützen und zu erhalten, braucht es grundlegende Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Zudem müssen nationale sowie internationale Abkommen und Strategien zum Schutz der Biodiversität konsequent umgesetzt und stärker gefördert werden. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Fördersummen für Programme zum Erhalt der Artenvielfalt um ein Vielfaches gesteigert und gleichzeitig biodiversitätsschädliche Subventionen massiv abgebaut werden.

DIE LINKE fordert daher unter anderem:

  • die zügige Umsetzung und ausreichende Finanzierung der Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt sowie die Schaffung eines länderübergreifenden und zusammenhängenden Biotopverbunds.

  • die konsequente Umsetzung der europäischen Biodiversitätsstrategie sowie des internationalen Übereinkommens der biologischen Vielfalt (CBD);

  • Agrarpolitik in Einklang mit Natur- und Artenschutzzielen zu bringen;

  • den Abbau umweltschädlicher Subventionen – vor allem im Agrar- und Verkehrsbereich;

  • die Bereitstellung größerer finanzieller Mittel zur Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Artenhandels sowie für Projekte zur Existenzsicherung der Bevölkerung, um der Wilderei die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen;

  • den Schutz der Natura 2000-Gebiete in Nord- und Ostsee;

  • die Förderung alternativer Fangmethoden in der Fischerei, um Beifang zu vermeiden und Lebensraum zu erhalten;

  • eine Ausweitung der Meeresschutzgebiete auf mindestens 40 Prozent der Ozeane, die möglichst miteinander verbunden sind und sich von der Wasseroberfläche bis zum Meeresboden erstrecken sowie über ausreichend Nullnutzungszonen verfügen, um die Überfischung der Meere sowie die Zerstörung der maritimen Umwelt zu stoppen;

  • die Vermüllung der Meere durch Abfallvermeidung, Recycling sowie verbindliche Übereinkommen auf europäischer und internationaler Ebene zu stoppen;

  • Schadstoff- und Lärmemissionen durch Militär, Wirtschaft, Verkehr, Tourismus oder Rohstoffförderung in marine Ökosysteme auf ein Mindestmaß zu begrenzen;

  • die umfassende Berücksichtigung der biologischen Vielfalt in allen Lebens-, Wirtschafts- und Nutzungsbereichen des Menschen.