Am heutigen 27. Januar gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Dieses Gedenken lebendig zu halten, bedeutet auch, den Kampf für eine Welt ohne Antisemitismus und Faschismus weiterzuführen. Dazu erklären die Vorsitzenden der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek und Sören Pellmann gemeinsam mit den Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken:
Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus - der Tag, der an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee erinnert. Wie kein anderer Ort steht Auschwitz-Birkenau für die bürokratisch geplante, industriell durchgeführte Vernichtung jüdischer Menschen. Über eine Million Jüdinnen und Juden, Sinti*zze und Rom*nja, Queers, Menschen mit Behinderung und politische Gefangene wurden alleine dort ermordet. Wir gedenken all derer, die antisemitischen und faschistischen Ideologie des Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind.
Gerade in Zeiten, in denen rechte Kräfte erstarken, gilt es die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wachzuhalten. Immer weniger Überlebende sind unter uns, um aus eigener Erfahrung davon zu berichten. Umso wichtiger ist es heute, NS-Gedenkstätten, Archive und Initiativen zu unterstützen, die das Gedenken lebendig halten. Doch sie stehen enorm unter Druck: durch Bedrohungen von rechts, aber auch mangelnde Finanzierung. Dass die Regierung sie alleine lässt, ist vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte schlicht verantwortungslos.
Ebenso fatal ist es, dass sie das Asylrecht immer weiter aushöhlt. Wer der Opfer des Nationalsozialismus aufrichtig gedenkt, darf nicht vergessen, wie viele Jüdinnen und Juden sterben mussten, weil ihnen Asyl und Zuflucht andernorts verweigert wurden. Nur wenn wir aus der Geschichte Lehren ziehen und das Recht auf Asyl und das Prinzip gleicher Bürgerrechte für alle als historische Errungenschaften verteidigen, können wir uns heute wirksam gegen die „Remigrationsfantasien“ der Rechten stellen.
Wir stehen in der Tradition von Kommunist*innen und Sozialist*innen, die für ihren Widerstand gegen den deutschen Faschismus verfolgt wurden und ihren Einsatz oft mit dem Leben bezahlen mussten. Gedenken heißt daher auch eingreifen: überall dort, wo Menschen für ihr Jüdischsein angegriffen werden, wo Entmenschlichung beginnt und Entrechtung normalisiert wird.
In diesem Sinne heißt Erinnern auch Kämpfen - gegen die entwürdigende Kürzungspolitik, die diejenigen im Stich lässt, die das Gedenken am Leben halten. Gegen diejenigen, die Antisemitismus und rechte Hetze schüren. Gegen die Angriffe auf das Asylrecht, die Menschen den Schutz verweigern, der ihnen zusteht.
Eine Gesellschaft, die jedem ein Leben in Würde und Freiheit garantiert und Faschismus, Antisemitismus und Rassismus überwunden hat, muss noch erkämpft werden. Es ist an uns, diesen Kampf weiterzutragen.
