Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich unterstelle Ihnen nach nachgeschobenen Anträgen, Protokollnotizen, 279 Seiten Änderungsanträgen innerhalb von zwei Tagen: Sie wissen nicht, was Sie tun.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Heidi Reichinnek [Die Linke]: Genau! – Dr. Christos Pantazis [SPD]: Doch!)
Aber eine Pflegekraft, die sich in Therapie befindet, eine quasi doppelt Betroffene Ihres Gesetzes, schrieb mir Folgendes – ich zitiere –:
"„Durch meine Arbeit als Krankenschwester erlebe ich täglich, welche Auswirkungen politische Entscheidungen auf unser Gesundheitssystem haben. Wenn Therapiepraxen ihre Arbeit einschränken oder schließen müssen, trifft das nicht nur Erwachsene, sondern auch unsere Kinder & Jugendlichen, die darauf angewiesen sind. Hinzu kommt, dass ich in einem Beruf mit einer hohen Burnout-Rate arbeite. Ohne die Sicherheit meiner Therapie im Rücken würde man mir den einzigen Halt nehmen, der mir derzeit noch bleibt. Ich arbeite hart. Ich tue alles dafür, in meinem Beruf bleiben zu können, weil ich ihn von Herzen liebe. Doch jeder Mensch hat Grenzen, und ich habe das Gefühl, meine fast erreicht zu haben.“"
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe SPD, Sie wissen vielleicht nicht, was Sie tun. Die Nachricht zeigt: Die Betroffenen wissen, was Sie tun, worüber Sie heute entscheiden.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie müssen so nicht entscheiden. Sie dürfen so nicht entscheiden. Denn heute setzen Sie die Kettensäge an.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eijeijei!)
Und die trifft die Patientinnen und Patienten, die Versicherten, diejenigen, für die der Sozialstaat ein Versprechen war, das Versprechen, in der Not Unterstützung zu erhalten. Die Kettensäge ist der Inbegriff dessen, nicht zu wissen, was man tut, wen man trifft, wo man endet. Aber klar ist: Sie wollen nicht im Gesundheitsbereich enden. Erprobt bei den Geflüchteten, bei den Erwerbslosen, wollen Sie auch an die Pflege, die Rente, den Kinder- und Jugendschutz.
Aber die Menschen wehren sich, weil sie sehen: Während Sie die Mehrheit der Gesellschaft angreifen, die, die eh schon leiden, verschonen Sie sich, verschonen Sie Ihresgleichen:
(Zuruf von der Linken: Genau!)
die Vermögenden, die Privatversicherten.
(Zuruf des Abg. Dr. Christos Pantazis [SPD])
Ja, und nicht genug: In all der Hektik, in all der Geschwindigkeit, da hat eine Lobby doch ein verdammt gutes Ohr bei Ihnen. Die Pharmakonzerne haben sich von den Ergebnissen der Kommission über den ersten Gesetzentwurf hin zu den am Mittwoch beschlossenen Änderungsanträgen Erleichterungen erschlichen. Und Sie haben gestern Abend noch einen Antrag nachgereicht, der die Pharmakonzerne weiter entlasten soll. Was für ein Hohn!
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich möchte schließen, nicht mit der schlimmsten, aber der größten Absurdität Ihrer Änderungsanträge.
(Zuruf des Abg. Dr. Christos Pantazis [SPD])
Sie behaupten, dass die Beitragssätze nicht mehr steigen. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, haben Sie reingeschrieben, dass die Kassen ihre Versicherten nicht mehr informieren müssen, falls die Beitragssätze dann doch erhöht werden. Sie machen Absurditäten auf Kosten der Gesellschaft.
Die Menschen wissen, worüber heute entschieden wird. Und auch wenn wir heute vielleicht noch in der Minderheit sind, am Ende werden die Menschen sich organisieren, um Ihre Kettensäge zu stoppen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

