Sehr geehrte Frau Präsidentin! Abgeordnete! Sehr geehrte Ehrengäste der Ovaherero und Nama auf der Tribüne! Sehr geehrter Paramount Chief Professor Mutjinde Katjiua! Sehr geehrter Gaob Daniel!
(Beifall bei der Linken, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD)
Sie sind heute hier im Deutschen Bundestag, weil Sie die Vertreterinnen und Vertreter der Überlebenden von zwei deutschen Völkermorden sind. Zwei brutale Völkermorde, die die Verbrecher des deutschen Kaiserreiches an Ihren Vorfahren verbrochen haben.
(Dr. Alexander Wolf [AfD]: Eijeijei!)
Für diese Verbrechen bitten wir Sie um Entschuldigung.
(Beifall bei der Linken, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Thomas Silberhorn [CDU/CSU])
Wir möchten Ihnen heute eine Stimme geben – im Herzen der deutschen Demokratie. Denn zu lange wurden Ihre Forderungen nach Gerechtigkeit ignoriert. Wir schulden Ihnen endlich die Wahrheit. Und vor allem schulden wir echte Wiedergutmachung!
(Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Gemeinsam mit Ihnen haben wir diesen Antrag ausgearbeitet. Für dieses Vertrauen möchten wir danken, 120 Jahre nachdem von Trotha den Vernichtungsbefehl erließ, nachdem deutsche Kolonialtruppen Menschen in die Omaheke-Wüste getrieben, Konzentrationslager errichtet, Frauen und Kinder ermordet, Land geraubt haben. Die ersten Völkermorde des 20. Jahrhunderts waren eine Blaupause für die Menschheitsverbrechen der deutschen Nazis an Millionen von Menschen nur wenige Jahrzehnte später.
Die deutschen Regierungen wollen die beiden Völkermorde nicht vollständig anerkennen und keine einklagbaren Reparationen leisten. Stattdessen wird über Formulierungen gestritten, die juristisch so wachsweich sind, dass sie niemanden verpflichten. Die Ovaherero und Nama sagen deutlich: Ohne uns ist gegen uns. – Und sie haben recht.
(Beifall bei der Linken)
Ein Versöhnungsabkommen, das die Regierungen von Namibia und Deutschland seit Jahren verhandeln, ohne dass die Betroffenen mit am Tisch sitzen, ist nichts wert. Der Begriff „Reparationen“ wird verweigert, und 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre an den namibischen Staat werden als Gnade der ehemaligen Kolonialmacht verkauft. Das ist die Fortsetzung kolonialer Arroganz.
(Beifall bei der Linken)
Wir fordern: Die echte Anerkennung der Völkermorde an den Ovaherero und Nama, und zwar ohne Relativierung. Direkte Verhandlungen mit den Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Gemeinschaften. Echte Reparationen – eine kollektive, von den Betroffenen mitgestaltete Wiedergutmachung. Eine glaubwürdige Entschuldigung durch den Bundestag und die Bundesregierung. Die sofortige Rückgabe sämtlicher geraubter Gebeine und Kulturgüter. – Die Ovaherero und Nama haben uns über Generationen gezeigt, was Widerstand und Würde bedeuten. Die Ovaherero und Nama sind aber nicht verschwunden. Es liegt an uns, endlich aufzuhören, so zu tun, als gäbe es sie nicht.
(Jürgen Coße [SPD]: Wer tut das?)
Wir können die Gräuel der deutschen Geschichte aufarbeiten und für wiedergutmachende Gerechtigkeit sorgen – oder wir können weiter in kolonialer Gedächtnisstörung verharren und die Opfer ignorieren. Die Geschichte wird uns daran messen, was wir wählen.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
