Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe anwesende Veteraninnen und Veteranen! Liebe Gäste! „Einfach Respekt.“ steht auf einer Postkarte zum diesjährigen Veteranentag. Und es ist richtig: Veteraninnen und Veteranen verdienen Respekt. Sie haben im Auftrag dieses Staates Dienst geleistet. Viele von ihnen waren Situationen ausgesetzt, die Menschen dauerhaft prägen können. Manche tragen körperliche Verletzungen davon, andere psychische Belastungen, die oft unsichtbar bleiben.
Respekt und Heroisierung sind jedoch nicht dasselbe. Anerkennung darf nicht bedeuten, militärischen Dienst zu verklären oder Krieg und Auslandseinsätze zu romantisieren.
(Beifall bei der Linken)
Gerade in der sogenannten Zeitenwende ist diese Unterscheidung wichtig; denn mit jedem zusätzlichen Milliardenpaket für Rüstung wächst auch die Verantwortung gegenüber den Menschen, die die Folgen dieser Politik tragen. Wer so viel Geld für Waffen und militärische Fähigkeiten bereitstellt, muss auch für diejenigen einstehen, die im Auftrag des Staates gedient haben, künftig dienen werden oder aber auch dienen werden müssen.
Wer mit einer posttraumatischen Belastungsstörung aus einem Einsatz zurückkehrt, braucht kein Fest; er braucht einen Staat, der ihm glaubt.
(Beifall bei der Linken)
Doch auch viele Betroffene erleben noch immer langwierige Verfahren und Kämpfe um Leistungen, die ihnen zustehen. Dabei steht die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland seit Jahren insgesamt unter Druck. Viele Menschen warten monatelang auf einen Therapieplatz. Wer psychische Einsatzfolgen ernst nimmt, darf Veteraninnen und Veteranen nicht an ein System verweisen, das ohnehin schon im Krisenmodus operieren muss und zukünftig, wie es scheint, vollends kaputtgespart wird.
(Beifall bei der Linken)
Besonders deutlich wird der Widerspruch auch bei den politischen Prioritäten. Für die Unterstützung traumatisierter Veteraninnen und Veteranen stehen Vereinen wie „Angriff auf die Seele“ und dem Bund Deutscher EinsatzVeteranen zusammen nicht einmal 2 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist nur ein Bruchteil der Kosten für einen einzigen neuen Leopard-Panzer. Machen wir uns nichts vor: Panzer haben eine Lobby, Traumata offenbar nicht.
(Beifall bei der Linken – Zuruf der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wenn heute viel von Gesamtverteidigung und gesellschaftlicher Resilienz gesprochen wird, dann darf Sicherheit nicht allein auf das Militär reduziert werden. Zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft gehören auch Pflegekräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, im Katastrophenschutz und in vielen weiteren Bereichen. Auch ihnen gebührt Anerkennung – nicht nur durch Applaus aus dem Fenster, sondern durch gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung.
(Zuruf der Abg. Claudia Moll [SPD])
Und Verantwortung besteht schließlich auch für die Ortskräfte und zivilen Mitarbeitenden deutscher Auslandseinsätze. Viele von ihnen haben erhebliche persönliche Risiken auf sich genommen und leben bis heute mit den Folgen politischer Entscheidungen, die hier in Deutschland in diesem Haus getroffen wurden. Ich denke dabei vor allem an die vielen ehemaligen Mitarbeiter/-innen vor Ort, die nach ihrer Zwangsrückführung von Pakistan nach Afghanistan ernsthaft von Vergeltungsmaßnahmen bedroht sind oder diese bereits erfahren mussten. Herr Dobrindt, Sie waren es, der beinahe jede zweite Aufnahmezusage an die Ortskräfte zurückgezogen hat. – Einfach Respekt!
(Beifall bei der Linken)
Ein Veteranentag schafft Aufmerksamkeit; aber Aufmerksamkeit allein ersetzt keine Traumatherapie, keine Anerkennung von Einsatzschäden und keine bessere Versorgung. Wenn wir Veteraninnen und Veteranen wirklich anerkennen wollen, dann braucht es weniger Symbolpolitik und mehr konkrete Verantwortung – nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern auch an allen anderen Tagen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken)
