Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! „Brot und Rosen“ – dieser Ruf der Frauenbewegung von 1911 steht bis heute für zwei zentrale Forderungen: soziale Sicherheit und ein Leben in Würde und Selbstbestimmung. Mehr als 100 Jahre später fehlen beide nach wie vor in der Gesundheitspolitik. Denn Gleichberechtigung bedeutet eine Medizin für den weiblichen Körper. Genau das fehlt bis heute.
(Beifall bei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wenn Frauen heute später diagnostiziert werden, länger auf Behandlungen warten oder häufiger Nebenwirkungen erleben, dann liegt das nicht an ihren Körpern, sondern an Strukturen, die ihre Gesundheit über Jahrzehnte hinweg nicht ausreichend berücksichtigt haben. Die Folgen liegen klar auf der Hand. Herzinfarkte bei Frauen werden später erkannt, weil ihre Symptome anders sind. Erkrankungen wie Hormonstörungen, etwa das Polyzystische Ovarialsyndrom, PMS und PMDS, oder auch ADHS werden oft erst nach Jahren oder gar nicht diagnostiziert. Auch bei Medikamentenwirkungen zeigen Studien, dass Nebenwirkungen bei Frauen häufiger auftreten.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Frauengesundheit ist kein Nischenthema. Dieses medizinische System, das über Jahrhunderte patriarchale Strukturen zulasten der Gesundheit und Lebensqualität von Frauen reproduziert hat, muss korrigiert werden. Die Initiative „Feministische Medizin“ hat eindrückliche Beispiele dafür gesammelt, was es für Frauen bedeutet, wenn sie nicht ernst genommen und nicht diagnostiziert, sondern ihre Symptome psychologisiert werden. Eine Frau bekam zu hören – ich zitiere –: „Das ist alles in Ihrem Kopf“, bis sie nach zehn Jahren einen Herzklappenfehler diagnostiziert bekam. Eine andere Frau hörte: „Schmerzen sind bei Frauen normal“, bis sie nach 13 Jahren erfuhr, dass sie an Endometriose leidet, und eine weitere: „Das ist Prinzessinnenohnmacht und Hysterie“, bis sie nach 22 Jahren endlich ihre ADHS-Diagnose bekam.
Das sind nur wenige Beispiele, und damit muss Schluss sein. Es geht um Geschlechtergerechtigkeit auch in der Medizin.
(Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Eine moderne Gesundheitspolitik muss dafür sorgen, dass die gesundheitlichen Realitäten von Frauen systematisch berücksichtigt werden, anstatt sie zu bagatellisieren.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Frauengesundheit bedeutet auch Versorgungsgerechtigkeit. Das sehen wir besonders deutlich in der Geburtshilfe. Geburtsstationen schließen, Wege werden länger, Personal arbeitet am Limit. Eine sichere Geburtshilfe darf keine Frage der Postleitzahl sein.
Das gilt auch für die Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen. Der Zugang ist in vielen Regionen Deutschlands nicht mehr selbstverständlich. Das Thema gehört in die medizinische Ausbildung und muss dort verankert sein, sonst schaffen wir den Versorgungsmangel von morgen.
Im Kern geht es aber um etwas Grundsätzliches. Es geht um Selbstbestimmung, darum, dass alle Menschen darauf vertrauen können, dass medizinische Versorgung erreichbar ist – ohne lange Wege.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Selbstbestimmung darf nicht an Strukturen scheitern.
Der 8. März erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung niemals selbstverständlich war.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
