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Rede von Luigi Pantisano am 30.01.2026

Rede von Luigi Pantisano,

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Demokratische Kolleginnen und Kollegen! Es ist mir heute eine besondere Freude, Beschäftigte der Firma Bosch aus meiner Heimatstadt Waiblingen auf der Tribüne begrüßen zu dürfen. Liebe Boschler, herzlich willkommen im Bundestag!

(Beifall bei der Linken)

Ich bin aufgewachsen neben dem Werk der Firma Bosch. Aus dem Wohnzimmer meiner Eltern konnte ich die Werksgebäude sehen. Tanten und Onkel von mir haben bei Bosch gearbeitet, ehemalige Klassenkameradinnen der naheliegenden Hauptschule haben dort ihre Ausbildung gemacht und arbeiten bis heute vor Ort. Ich habe beobachtet, wie ihr Tag und Nacht hart im Werk arbeitet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr habt meinen größten Respekt für die Arbeit, die ihr die letzten Jahrzehnte geleistet habt.

(Beifall bei der Linken)

Das Bosch-Management hat vor einigen Monaten entschieden, das Werk zu schließen und allen Beschäftigten zu kündigen. Diese drohende Schließung macht mich richtig wütend, und deswegen bin ich ins Gespräch gegangen mit den Kolleginnen und Kollegen bei Bosch. Wir als Linke haben euch gehört, wir haben eure Wut gespürt,

(Zuruf des Abg. Enrico Komning [AfD])

und lasst mich euch von hier aus sagen, dass wir an eurer Seite stehen im Kampf um den Erhalt eurer Arbeitsplätze.

(Beifall bei der Linken – Zuruf des Abg. Wolfgang Wiehle [AfD])

Wir haben auch dem Management zugehört. Sie drohen in Stuttgart, in Fellbach, in Bühl, in Schwieberdingen und an anderen Standorten in Baden-Württemberg mit Stellenabbau, obwohl Bosch täglich Gewinne macht.

(Michael Donth [CDU/CSU]: Zum Thema!)

2024 waren es über 3 Milliarden Euro Gewinn, und sie erzählen trotzdem den Beschäftigten, sie könnten das Werk nicht halten, weil sie zu teuer für das Unternehmen geworden sind. Welch ein Hohn!

(Michael Donth [CDU/CSU]: Haben Sie Ihren Antrag gelesen?)

Und in der Presse lenkt Bosch-Chef Hartung fast täglich von der eigentlichen Wahrheit ab – dem Unternehmen gehe es ja so schlecht; die Standortkosten seien zu hoch –, und er träumt jetzt auch noch davon, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Während er in Waiblingen 560 Beschäftigte rausschmeißen will, posaunt er in den Medien groß rum, dass 40 Stunden Arbeitszeit in der aktuellen Krise nicht mehr ausreichen. – Ihre Abgehobenheit, Herr Hartung, ist wirklich schwer zu ertragen und kotzt mich an.

(Beifall bei der Linken – Michael Donth [CDU/CSU]: Haben Sie einen Antrag eingebracht?)

Robert Bosch, der Gründer des Unternehmens, dreht sich vermutlich im Grab um, wenn er sieht, was aus seinem Familienunternehmen gemacht wird. Bosch galt vielen Beschäftigten als Familie. Wer bei Bosch einen Job hatte, um den wurde sich gekümmert.

(Björn Simon [CDU/CSU]: Zum Thema!)

Die Beschäftigten von Bosch konnten stolz sein auf ihre Produkte: Bohrmaschinen, Kühlschränke, Zündkerzen und – wie in Waiblingen – auch Kunststoffstecker. Nicht die Manager stehen für das Unternehmen, sondern die Arbeiterinnen und Arbeiter im Werk.

(Beifall bei der Linken)

Herr Hartung, Sie sind vielleicht der Chef vom Bosch, aber Sie sind nicht Bosch. Bosch, das sind die Kolleginnen und Kollegen, die heute hier auf der Tribüne sitzen. Bosch, das ist Antonio, der mit seiner Frau nun Sorge hat, dass er seine sieben Kinder nicht mehr versorgen kann und den Kredit für sein Eigenheim nicht abzahlen kann.

(Leif-Erik Holm [AfD]: Kommen Sie mal zum Thema?)

Bosch, das sind alleinerziehende Mütter, die nicht wissen, wie sie weiter am Ende des Monats die Miete bezahlen sollen. – Herr Hartung, lassen Sie die Finger von der Familie Bosch!

(Beifall bei der Linken)

Die Krise der deutschen Automobilindustrie wird als Grund für den Rückgang von Aufträgen genannt. Dabei ist die angebliche Krise bei Bosch selbst verursacht. In Thailand wurde ein Werk aufgebaut, welches die gleichen Stecker wie in Waiblingen herstellt, allerdings 15 Prozent günstiger.

(Zuruf von der AfD: Na klar!)

Man hat sich die Konkurrenz selbst aufgebaut. Und die Politik hat zugelassen, dass es ohne Schutz der Beschäftigten hier in Deutschland passiert. Wahnsinn!

(Zuruf des Abg. Maximilian Kneller [AfD])

Die Beschäftigten verlangen beispielsweise eine Sonderabgabe auf Gewinne für Unternehmen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern – zu Recht, sagen mir die Kolleginnen und Kollegen in Waiblingen. Diese Konzernleitung kriegt den Hals nicht voll. Diese Politik gegen die Beschäftigten muss aufhören.

(Beifall bei der Linken – Björn Simon [CDU/CSU]: Das ist nicht das Thema der Debatte!)

Und gleichzeitig haben alle bisherigen Bundesregierungen den Umstieg auf eine klimagerechte Industrie verschlafen. Viele Unternehmen, auch Bosch, haben in Elektromobilität und Wasserstoff investiert. Statt diesen Weg zu unterstützen, hat Bundesregierung um Bundesregierung am Verbrenner festgehalten, und sie begehen diesen Fehler bis heute immer weiter.

(Beifall bei der Linken)

Danke, nein.

(Maximilian Kneller [AfD]: Es könnte ja zum Thema sein!)

Kanzler Merz, Herr Hagel und Herr Özdemir in Baden-Württemberg, liebe Grüße von hier aus! Ich empfehle Ihnen ein Praktikum bei Bosch, damit Sie mal sehen, was die Kolleginnen und Kollegen vor Ort täglich leisten. Früher haben sie 150 Prozent gegeben, und jetzt haben viele das Gefühl, nichts mehr wert zu sein.

Das Wohlstandsversprechen in diesem Land wird aktuell beerdigt. Wir müssen jetzt was tun; denn Zehntausende Jobs in der Region sind in Gefahr. Mit unserem Antrag zu einer Mobilitätsgarantie wollen wir eine wichtige Rahmenbedingung setzen. Alle Menschen im Land, auch auf dem Dorf, sollen mit Bussen und Bahnen fahren.

(Zuruf des Abg. Michael Donth [CDU/CSU])

– Hören Sie zu, Herr Donth! – Dazu braucht es viele Tausende Busse. Damit die Deutsche Bahn zukünftig diese eben nicht mehr bei BYD in China bestellt, müssen diese Busse in Deutschland produziert und mit Steckern von Bosch aus Waiblingen ausgestattet werden. Wir könnten so die Jobs retten und über 100 000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Wir als Linke wollen den Beschäftigten im Land, in Waiblingen und anderswo, wieder Hoffnung machen. Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben brauchen eine Politik, die Perspektiven schafft, eine Politik, die Ideen entwickelt zur Rettung des Klimas und der Arbeitsplätze.

(Beifall bei der Linken)

Und die Zerstörung von Zehntausenden Arbeitsplätzen in Baden-Württemberg lassen wir eben nicht mehr zu.

(Beifall bei der Linken)

Im Betrieb, auf der Straße und bald auch im Landtag von Baden-Württemberg gilt: Wir kämpfen um die Arbeitsplätze von Bosch in Waiblingen und überall im Land.

(Beifall bei der Linken)