Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn man sich die Altersstruktur hier im Bundestag so anschaut, dann sieht man: Hier wird nicht nur über das Alter gesprochen, hier wird Alter gelebt.
(Beifall bei der Linken)
Deshalb ist es umso erstaunlicher, wie weit man hier von der Lebensrealität älterer Menschen entfernt ist. Anders kann ich mir nicht erklären, dass der vorliegende Bericht über ein Jahr in Ihrer Schublade lag.
Ich habe neulich mit einer Bekannten gesprochen. Sie hat 40 Jahre im Konsum gearbeitet, ist immer früh aufgestanden, war immer pünktlich, immer zuverlässig. Und heute überlegt sie im Supermarkt nicht, was sie kaufen will, sondern, was sie sich an der Supermarktkasse noch leisten kann. Ist das etwa Altern in Würde?
(Beifall bei der Linken)
Der neunte Altersbericht ist eindeutig: Armut im Alter ist ein wachsendes Risiko, und sie trifft immer die Gleichen besonders hart: Frauen, Menschen in Ostdeutschland, Alleinstehende, Menschen mit Brüchen in der Erwerbsbiografie. Und was macht diese Regierung? Die Sorgen der Älteren stehen bei ihr ganz unten auf der Liste, irgendwo zwischen Ablage P und „Wir machen was, wenn noch Geld übrig ist“. Dabei brauchen wir endlich eine Rente, die armutsfest ist.
Zur Teilhabe gehört aber mehr als nur Geld. In meinem Heimatland Thüringen – und nicht nur dort – ist das Leben im Alter oft ein Hindernislauf. Wenn der nächste Bäcker 5 Kilometer weit weg ist und der Bus nur zweimal am Tag kommt, wenn er überhaupt kommt, dann ist „Abgehängtsein“ nicht nur ein theoretischer Begriff.
(Beifall bei der Linken)
Deshalb brauchen wir verlässliche, bezahlbare, barrierefreie Mobilität.
Ein anderer Punkt, der mir am Herzen liegt, ist das Thema „Einsamkeit im Alter“. Es gibt Menschen, die haben tagelang niemanden zum Reden. Und dann gibt es Initiativen wie das Silbernetz, ein kostenloses Telefonangebot für ältere Menschen unter dem Motto „Einfach mal reden“. Sie machen einen Job, den eigentlich der Staat leisten müsste. Nichtsdestotrotz müssen diese Retter jedes Jahr aufs Neue um ihre Existenz zittern. Schluss mit den befristeten Modellprojekten!
Meine Damen und Herren, der heute vorliegende Bericht liegt seit über einem Jahr auf Ihrem Tisch. Alles ist bekannt.
Die einzige Frage ist: Wann fangen Sie endlich an, zu handeln?
(Beifall bei der Linken)
