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Wissenschaft als Beruf

Themenpapiere der Gruppe

Die wettbewerbliche Umgestaltung unserer Wissenschaftslandschaft wird als Deregulierung und Flexibilisierung der Personalstrukturen direkt an die Wissenschaftler*innen überwälzt. Häufig wird der akademische Mittelbau von den Verwaltungen als flexibler Haushaltsposten gesehen. Zugleich gilt eine hohe Anzahl an befristeten Drittmittelbeschäftigten als Qualitätsausweis für Professor*innen. Diese Fehlsteuerung hat dramatische Folgen: mehr als 85 Prozent der angestellten Wissenschaftler*innen arbeiten auf einer befristeten Stelle, mehr als die Hälfte dieser Verträge laufen unter 12 Monaten und mehr als zwei Drittel auf Teilzeitbasis.

Dass diese Verhältnisse nicht nur unattraktiv und ungerecht etwa im Vergleich zu Beschäftigten in der Privatwirtschaft oder beamteten Professor*innen sind, sondern auch eine Lebens- und Karriereplanung verunmöglichen, wird offensichtlich. Besonders auf Frauen wirken diese Bedingungen abschreckend. Es leidet auch die Qualität der Wissenschaft insgesamt unter kurzatmigen Wettbewerbszyklen, unter langjähriger Unselbständigkeit der Nachwuchswissenschaftler*innen und unter der Instabilität von Teams und Strukturen. Der hohen Eigenmotivation der Beschäftigten in der Wissenschaft werden die Arbeitsbedingungen in keiner Weise gerecht. Insbesondere promovierte und berufungsfähige Wissenschaftler*innen stehen vor einer äußerst schwierigen Situation.

DIE LINKE schlägt vor, die Einrichtung unbefristeter Stellen mit einem Anreizprogramm durch den Bund zu fördern. Dieses soll ähnlich wie das „Professorinnenprogramm“ die unbefristete Neubesetzung von Stellen mit einem Bonus prämieren. Es sollte auf insgesamt 100.000 Neubesetzungen angelegt sein, die jeweils für zwei Jahre mit 10.000 Euro jährlich bezuschusst werden. In den kommenden zehn Jahren könnte auf diese Weise die knappe Hälfte des angestellten wissenschaftlichen Personals an den Hochschulen auf Dauerstellen gelangen. Notwendig wären für dieses Programm Mittel in Höhe von durchschnittlich 200 Mio. Euro jährlich.

Absichtlich soll die Förderung nicht auf bestimmte Personalkategorien eingeschränkt werden, um die Gestaltung der Personalstrukturen vor Ort nicht unnötig zu beschränken. So wären Juniorprofessuren mit Tenure Track, klassische Mitarbeiter*innenstellen bzw. Hochschuldozent*innen förderfähig.

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das die Sonderbefristungsmöglichkeiten in der Wissenschaft regelt, muss schnell überarbeitet werden. Wir brauchen die Bindung der Vertragslaufzeiten an die Dauer der Qualifikationsphase oder des Forschungsprojekts sowie eine Untergrenze von mindestens drei bzw. zwei Jahren. Die Tarifsperre muss aus dem Gesetz gestrichen und die familienpolitische Komponente des Gesetzes zum Rechtsanspruch gemacht werden. Wer Kinder erzieht oder Ältere pflegt, muss diese Zeit an seinen Vertrag angehängt bekommen.

Wir wollen die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft. Dazu wollen wir ein System aus Anreizen und festen Quotenregelungen verankern. Diese Quotenregelung soll in Form eines Kaskadenmodells ausgestaltet werden, in dem der Frauenanteil auf einer Karrierestufe nach einer kurzen Übergangszeit mindestens der direkt darunter liegenden Qualifikationsstufe entsprechen muss. Zudem sollen die Hochschulen und Forschungseinrichtungen über Zielvereinbarungen zur Steigerung der Anteile von Frauen gebracht werden. Wichtige Instrumente dazu sind etwa die Sicherung transparenter Verfahren zur Personalauswahl sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Karriereperspektiven.


 

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