"Es braucht einen großen Wurf, aber der Referentenentwurf zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist das genaue Gegenteil. Dass das BMFTR ausgerechnet die ohnehin unzureichende Postdoc-Reform der Ampel jetzt auch noch komplett abräumt und bei einer sechsjährigen Höchstbefristung nach der Promotion bleibt, zementiert das System der existenziellen Unsicherheit für den Mittelbau. So bleibt Planbarkeit in der wichtigsten Phase der wissenschaftlichen Karriere ein Fremdwort. Die Bundesregierung drückt sich vor der politischen Verantwortung und überlässt den überfälligen Kulturwandel komplett den Hochschulen, obwohl das in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat“, kommentiert Nicole Gohlke, stellvertretende Vorsitzende und Sprecherin für Bildung und Wissenschaft der Fraktion Die Linke im Bundestag, den Referentenentwurf zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Gohlke weiter:
„Wer gute Wissenschaft will, muss Dauerstellen für Daueraufgaben schaffen. Dass die Bundesregierung stattdessen die im Grundgesetz verankerte Tarifautonomie weiterhin blockiert, um den Ländern und Gewerkschaften die Hände zu binden, ist besonders perfide und nicht hinnehmbar. Auch für studentisch Beschäftigte gibt es keinerlei Verbesserungen. Dass das Ministerium zudem einen neuen Paragrafen einbaut, um studentische Jobs formal sauber an die nächste sachgrundlose Befristung zu hängen, entlarvt die Absichten dieser vorgeschlagenen Novelle. Wir als Linke fordern auch mit einem Antrag in der nächsten Sitzungswoche eine radikale Kehrtwende: Die wissenschaftliche Qualifizierung muss trennscharf mit der Promotion enden. Für die Postdoc-Phase gilt das Prinzip: Dauerstellen für Daueraufgaben. Zudem fordern wir eine verbindliche Mindestlaufzeit von sechs Jahren für Promotionsstellen und von zwei Jahren für studentisch Beschäftigte sowie die ersatzlose Streichung der Tarifsperre."
