Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Weltweit leiden über 670 Millionen Menschen an Hunger; mehr als 2,5 Milliarden können sich kein gesundes Essen leisten, darunter Millionen Kinder, Kinder, die nicht nur ihre Gesundheit, sondern ihre Zukunft verlieren – oder ihr Leben. Diese Ernährungskrise ist kein Naturereignis. Sie ist das Ergebnis politischer Verfehlungen, verschärft durch jeden Krieg, jeden Klimaschock, jede neue Krise, allein in den letzten sechs Jahren dreimal: durch die Coronapandemie, den russischen Angriff auf die Ukraine und jetzt durch den israelisch-amerikanischen Krieg gegen den Iran – drei Eskalationswellen, die zeigen, wie zerbrechlich unser globales Ernährungssystem ist.
Solange Agrarkonzerne Gewinne maximieren, Spekulation mit Lebensmitteln möglich ist und unfairer Handel lokale Märkte zerstört, werden wir die Ursachen des Hungers nicht beseitigen.
(Beifall bei der Linken – Johannes Volkmann [CDU/CSU]: Das sieht man in Venezuela!)
Wenige Konzerne kontrollieren Saatgut, Düngemittel, Handel und die Verarbeitung. Das gesamte System hängt an fossiler Energie: vom Erdgas für Dünger über dieselintensiven Anbau bis hin zu globalen Kühlketten. Wenn Treibstoffkosten steigen, Lieferketten reißen oder Klimaschocks hinzukommen, brechen lokale Ernährungssysteme zusammen. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verlieren ihre Existenz, und ganze Märkte kollabieren.
Alle kennen diese Abhängigkeiten. Trotzdem beobachten wir in Zeitlupe, wie genau das eintritt, wovor NGOs und die Vereinten Nationen seit Jahren warnen. Wer Ernährungssouveränität ernst meint, muss lokale Strukturen stärken, statt Exportabhängigkeiten zu fördern.
(Beifall bei der Linken)
Wer globale Gerechtigkeit ernst meint, muss aufhören, Länder im Globalen Süden in Schulden- und Rohstoffabhängigkeit zu halten. Und wer Verantwortung ernst meint, muss Klimakrise und soziale Frage gemeinsam denken.
(Beifall bei der Linken)
Und was tun Sie, sehr geehrte Damen und Herren der Bundesregierung? Während der Hunger zunimmt, kürzen Sie bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe, auch im aktuellen Haushaltsentwurf. Das ist zutiefst menschenverachtend.
(Beifall bei der Linken)
Was wir brauchen: Investitionen in Agrarökologie, Stärkung lokaler Märkte, Unterstützung einer kritischen Zivilgesellschaft und ein Ende der fossilen Abhängigkeit unseres Ernährungssystems. 24 000 Menschen sterben jeden Tag an den Folgen von Unterernährung – jeden Tag! Es liegt in unserer Hand, das zu ändern. Als Politikerin fordere ich Sie auf, zu handeln. Und als Mensch bitte ich Sie anständig, dies zu tun.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken)
