Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin gehalten, von meinem Skript abzuweichen. Denn ich bin seit 20 Jahren Kommunalpolitiker in meiner Heimatstadt, und ich weiß, unter welchen Zwängen wir uns tagtäglich bewegen. Die Abwägungsfragen sind: Können wir die Straßen wirklich sanieren? Müssen wir die Öffnungszeiten in den Jugendfreizeiteinrichtungen kürzen? Müssen wir die Öffnungszeiten in den Schwimmbädern beschränken? Müssen die öffentlichen Bibliotheken gegebenenfalls weniger Öffnungszeiten anbieten? Wie sieht es denn mit einem besseren Betreuungsschlüssel aus? – All das sind Dinge, die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker umtreiben.
Und dann höre ich von Ihnen, von der AfD: Die Haupteinnahmequelle in den Kommunen, die Grundsteuer – das ist nämlich eine kommunale Einnahmequelle –, wollen Sie auf null setzen. Ihre Antwort darauf, wie all diese Aufgaben, die zur Finanzierung anstehen, finanziert werden sollen, lassen Sie offen.
(Olaf Hilmer [AfD]: Das stimmt doch gar nicht! Hat er doch gesagt! – Sebastian Münzenmaier [AfD]: Es ist nicht offen! Sie sollten zuhören!)
Sie stellen sich hier als Heilbringer hin, der Sie in keinem Falle sind. Deswegen ist das einfach unehrlich, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir haben derzeit ein finanzielles Loch im Ergebnishaushalt – also in dem Haushalt für den regelmäßigen Ablauf in den Kommunen – von 30 Milliarden Euro.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja!)
30 Milliarden Euro Defizit im Ergebnishaushalt! Wenn ich mir den Investitionsstau in den Kommunen anschaue, dann stelle ich fest: Er beträgt 216 Milliarden Euro. Und Sie kommen her und sagen: Wir müssen die Einnahmen für die Kommunen weiter beschränken.
(Sebastian Münzenmaier [AfD]: Sie haben nicht zugehört!)
Das ist genau der falsche Weg, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich sage auch sehr deutlich in Richtung Bundesregierung: Der Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt!“ gilt in unserem Land schon lange nicht mehr. Ich habe für meine eigene Heimatstadt Leipzig mal die Frage gestellt: Was sind denn so die Leistungen, die die Bundesregierung qua Gesetz über die Länder an die Kommunen transportiert hat? Und wie viel von diesen Mitteln wird nicht ausgeglichen? Wir kommen da auf eine halbe Milliarde,
(Wilhelm Gebhard [CDU/CSU]: Wenn die Linken regieren würden, wäre es noch viel mehr!)
Leistungen, die die Bundesregierung, nicht nur Ihre, sondern auch die vorherigen Bundesregierungen, an Kommunen übertragen haben. Und ein Ausgleich dafür erfolgt nicht.
Ich könnte jetzt noch viel detaillierter darstellen, welche Bereiche das betrifft. Wer bestellt, muss auch bezahlen! Wenn wir dazu kommen würden, wäre eine weitere Finanzierungsquelle der Kommunen gehoben und Kommunen wären deutlich besser ausgestattet. Wenn man all das, was Kommunen lebens- und liebenswert macht – die soziale Infrastruktur, die Arbeit in den Vereinen, den Sport-, Kultur- und Sozialvereinen –, was der Garant dafür ist, dass es demokratisch und bunt in unseren Kommunen zugeht, weiter fördert und dafür die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, dann ist mir nicht bange, dass die Herzkammer unserer Demokratie, die Kommunen, weiter stark bleibt, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der Linken)
Deswegen sagen wir: Wer bestellt, bezahlt! – Wir haben insbesondere die Kommunen im Blick, auch weil in meiner Fraktion viele Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker aus eigenem Erleben und aus eigener politischer Arbeit darüber genauestens Bescheid wissen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in diesem Sinne: Stärken wir gemeinsam die Kommunen! Wer bestellt, bezahlt!
Vielen Dank, Herr Präsident.
(Beifall bei der Linken)

