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Carbon Capture and Storage (CCS)

Themenpapiere der Fraktion

Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet das Abtrennen von Kohlendioxid (CO₂) beispielsweise aus Industrieanlagen oder Kraftwerken, seinen Transport über CO₂-Pipelines und die anschließende Speicherung in unterirdischen Lagerstätten, etwa unter dem Meeresboden. Die Linke lehnt CCS in Deutschland ab. Die Bundesregierung will diese Technologie allerdings ausbauen und präsentiert sie als Lösung für sogenannte „unvermeidbare Restemissionen“.

In der aktuellen Debatte geht es nicht um kleine Mengen tatsächlich unvermeidbarer Emissionen, sondern um die Errichtung einer Infrastruktur, die vor allem fossile Geschäftsmodelle verlängern soll. CCS wird gezielt genutzt, um neue Gaskraftwerke und sogenannten blauen Wasserstoff aus Erdgas zu rechtfertigen. Damit würde eine teure Pipeline- und Speicherinfrastruktur aufgebaut, die nur funktioniert, wenn dauerhaft große Mengen CO₂ anfallen. Genau das schafft neue Anreize, weiterhin Gas zu verbrennen, anstatt Emissionen konsequent zu vermeiden und erneuerbare Energien auszubauen. Die aktuelle Politik der Bundesregierung führt uns also in eine sogenannte „Pfadabhängigkeit“, denn es fließt dann weiterhin und dauerhaft viel Geld in die Fossilindustrie. Das ist nicht nur extrem klimaschädlich und wahrscheinlich verfassungswidrig (siehe Artikel 20a GG), sondern bedeutet, den Preissteigerungen des globalen Energiemarkts unterworfen zu sein. Abhängig ist Deutschland dann weiterhin zwangsläufig von teuren Energieimporten und damit auch klar von autoritären Regierungen.

Hinzu kommt, das CCS selbst teuer und ineffizient ist. Der Bau von CO₂-Pipelines, Speicheranlagen und Abscheidetechnik kostet Milliarden. Es kann nur ein Teil der Emissionen durch CCS gespeichert werden. Der Fokus auf CCS bremst gleichzeitig den schnellen Ausbau von erneuerbaren Energien und Energiespeichern aus. Statt also in eine riskante Übergangstechnologie zu investieren, müssen öffentliche Mittel in den Umbau des Energiesystems fließen.

Auch ökologisch ist CCS hochproblematisch. Für den Transport und die Speicherung wären umfangreiche Pipeline-Netze und neue Industrieanlagen nötig. Es fehlen verlässliche Daten über mögliche Lecks, alte Bohrlöcher oder über die langfristige Stabilität der Lagerstätten. Die Offshore-Speicherung unter dem Meeresboden beispielsweise ist bislang nur unzureichend erforscht. Gleichzeitig verletzen und gefährden Bau und Betrieb solcher Anlagen sensible Ökosysteme, insbesondere Meeresschutzgebiete.

Eine Speicherung an Land lehnen wir ebenfalls grundsätzlich ab, weil CO₂ ins Grundwasser gelangen könnte und dadurch u.a. unser Trinkwasser gefährdet wäre. Gas ist bekannt dafür, dass es leicht entweicht. Die Fossilindustrie selbst preist Gerichtskosten und Strafen aufgrund von Umweltproblemen regelmäßig in ihre Kostenkalkulationen ein.

Ein weiteres Problem ist die Verlagerung der Risiken auf die Allgemeinheit. Eine sichere Speicherung über viele Generationen hinweg kann nicht garantiert werden. CO₂-Speicher müssten über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte überwacht werden. Kommt es zu Lecks oder anderen Problemen, würden die Kosten am Ende bei der Allgemeinheit landen. Fossile Konzerne können also Gewinne machen, während Schäden und die langfristige Überwachung von der öffentlichen Hand bezahlt werden.

CCS in anderen Ländern zu fördern ist nicht nur aus den genannten Gründen problematisch, sondern ergänzt noch eine neokoloniale Dimension. Der Export von CO₂ in andere Weltregionen kommt für uns daher nicht infrage. In Europa gibt es zwar „geeignete“ Speicher, diese sind aber begrenzt und ihre Kapazität wird häufig überschätzt. Selbst wenn einzelne Standorte also geologisch geeignet wären, könnten sie nur einen kleinen Teil der Emissionen aufnehmen. Wenn Industriestaaten ihre Emissionen einfach exportieren und anderswo verpressen, werden Umweltrisiken in andere Länder verlagert, oft in Regionen, die selbst wenig zum Klimawandel beigetragen haben. Das wäre ökologisch ungerecht, würde bestehende globale Ungleichheiten weiter verschärfen und kann zur Entrechtung indigener Bevölkerung führen.

Für tatsächlich unvermeidbare Emissionen kann CCS in Einzelfällen innerhalb Europas eine Rolle spielen, allerdings nur unter strengen ökologischen, sozialen und geologischen Voraussetzungen. Es ist bisher nicht klar definiert werden, welche Emissionen überhaupt als unvermeidbar gelten. Emissionsvermeidung muss immer Vorrang haben. Für uns muss es dabei um das Gemeinwohl gehen und nicht um die Profite großer Unternehmen. Das heißt die Definition von „unvermeidbar“ muss sich unmittelbar an den biophysikalischen Grenzen des Planeten orientieren.

Die Linke im Bundestag fordert:

  • Eine klare Ablehnung von CCS in Deutschland.
  • Eine Klimapolitik, die konsequent auf Emissionsvermeidung und naturverträgliche Lösungen setzt. Statt Milliarden in CO₂-Pipelines und Speicher zu investieren, müssen natürliche CO₂-Senken gestärkt werden. Dazu gehören vor allem die Wiedervernässung von Mooren, ein klimagerechter Waldumbau, Aufforstung und Renaturierung. Diese Maßnahmen binden nicht nur CO₂, sondern schützen auch Biodiversität und verbessern gleichzeitig Ökosysteme.
  • Eine klare Definition dessen, was tatsächlich als „unvermeidbare Emissionen“ gilt. CCS darf nur in eng begrenzten Ausnahmefällen überhaupt diskutiert werden.
  • CO₂-Speicherung an Land und in oder nahe von Meeresschutzgebieten konsequent auszuschließen. Weder die Gefährdung von Trinkwasser noch Eingriffe in sensible Ökosysteme wie das Wattenmeer sind hinnehmbar.
  • Eine ambitionierte Kreislaufwirtschaft, die Emissionen bereits beim Produktionsdesign reduziert, etwa durch langlebigere Produkte, höhere Recyclingquoten und entsprechend weniger Müllverbrennung.
  • CCS-Infrastruktur nicht staatlich zu fördern und nicht als „überragendes öffentliches Interesse“ einzustufen. Gewinne dürfen nicht privatisiert und Risiken sozialisiert werden. Kosten, Schäden und die langfristige Überwachung von CO₂-Speichern dürfen nicht bei der Allgemeinheit landen. Umwelt- und Naturschutz sowie Beteiligungsrechte sind zu sichern.
  • Eine sozial-ökologische Agrar- und Ernährungswende, um Emissionen aus der Landwirtschaft deutlich zu senken, Flächenkonflikte zu entschärfen und sogar Emissionen zu binden.
  • Das Technologien zur CO₂-Entnahme global zugänglich gemacht werden. Patente auf Schlüsseltechnologien müssen freigegeben werden, damit auch andere Staaten sie nutzen können. Natürlich unter der Vorrausetzung, dass ökologische, soziale und geologische Bedingungen eingehalten werden.
  • Den Export von CO₂ zur Speicherung außerhalb Europas konsequent zu unterbinden. Klimaschutz darf nicht bedeuten, dass Emissionen und Umweltfolgen in andere Weltregionen ausgelagert werden, insbesondere nicht in Länder, die historisch deutlich weniger zum Klimawandel beigetragen haben.

Klar ist, für uns bedeutet Klimaschutz, Emissionen zu vermeiden und sie nicht nachträglich unter die Erde zu pressen. CCS ist kein Ersatz für eine konsequente Energiewende.