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Negative Emissionen

Themenpapiere der Fraktion

Negative Emissionen beschreiben Maßnahmen, mit denen insbesondere bereits ausgestoßenes Kohlendioxid (CO₂) wieder aus der Atmosphäre entfernt und gebunden wird. Entsprechende Maßnahmen können einen wichtigen Beitrag leisten, um unvermeidbare Restemissionen auszugleichen und so Klimaziele zu unterstützen. Sie werden jedoch zunehmend genutzt, um unzureichenden Klimaschutz zu rechtfertigen oder notwendige Emissionsminderungen in die Zukunft zu verschieben. Oft geht es um Greenwashing. Entscheidend ist aber, Treibhausgasemissionen gar nicht erst entstehen zu lassen und keine neuen Abhängigkeiten zu schaffen. Für uns als Linke hat Emissionsvermeidung immer Vorrang.

Natürliche CO₂-Senken können verlässliche und risikoarme Möglichkeiten, Kohlenstoff zu binden, bieten. Böden, und Wälder beispielsweise speichern große Mengen CO₂ und erfüllen gleichzeitig wichtige Funktionen für eine stärkere Biodiversität, verbesserte Wasserspeicherung und Klimaanpassung. Das Umweltbundesamt schätzt, dass bei einer ambitionierten Klimapolitik die Stärkung natürlicher Senken ausreichen kann, um Restemissionen zu kompensieren. Für uns steht daher der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen im Mittelpunkt.

Moore gehören zu den effektivsten Kohlenstoffspeichern der Erde. In ihrem nassen Zustand binden sie große Mengen CO₂ über lange Zeiträume. Werden sie jedoch entwässert, setzen sie erhebliche Mengen Treibhausgase frei. Viele Moore in Deutschland werden derzeit land- und forstwirtschaftlich genutzt und tragen so zum Klimawandel bei. Ihre Wiedervernässung ist daher eine zentrale klimapolitische Maßnahme. Gleichzeitig müssen Lösungen gefunden werden, die für Land- und Forstwirt*innen tragfähig sind, etwa durch die Förderung von angepassten Bewirtschaftungsformen wie Paludikulturen und durch faire Ausgleichsregelungen für Ökosystemleistungen.

Auch Wälder spielen eine zentrale Rolle für den Klimaschutz. Intakte und klimaresiliente Wälder binden CO₂ und sind zugleich Lebensraum für zahlreiche Arten sowie wichtige Erholungsräume. Der Zustand vieler Wälder in Deutschland hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich verschlechtert, sodass sie teilweise mehr CO₂ freisetzen als aufnehmen. Ein klimagerechter Waldumbau hin zu naturnahen, widerstandsfähigen Mischwäldern ist daher dringend notwendig. Aufforstung ist sinnvoll, insbesondere auf bereits geschädigten oder entwaldeten Flächen. Die Wiederaufforstung zuvor zerstörter Wälder sowie der Schutz bestehender Waldökosysteme, insbesondere in den Tropen, unterstützen wir deshalb ausdrücklich. Eine großflächige Ausweitung von Waldflächen als Klimaschutzstrategie lehnen wir ab, weil sie erhebliche Flächen beanspruchen und in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, zum Biodiversitätsschutz und zu anderen wichtigen Nutzungen stehen würde. Flächendeckende Aufforstung ist keine Lösung für weiterhin hohe Emissionen und darf nicht davon ablenken, Emissionen konsequent zu reduzieren.

Darüber hinaus können auch Böden und Küstenökosysteme wie Seegraswiesen Kohlenstoff speichern und gleichzeitig Biodiversität fördern. Ihr Schutz und ihre Wiederherstellung sind daher wichtige Bausteine einer naturverträglichen Klimapolitik. Allerdings sind die Potenziale begrenzt und teilweise noch nicht ausreichend erforscht, sodass ihr Ausbau nur begrenzt erfolgen kann.

Weitere Ansätze wie der Einsatz von Pflanzenkohle oder Gesteinsmehl können in bestimmten Nischen sinnvoll sein, etwa, wenn sie ohnehin zur Verbesserung von Böden eingesetzt werden. Pflanzenkohle kann Kohlenstoff langfristig im Boden speichern und gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit sowie die Wasserspeicherung verbessern. Ihr Einsatz ist vor allem dort sinnvoll, wo sie ohnehin Vorteile bringt, etwa im Gartenbau oder auf nährstoffarmen Böden. Ein großflächiger Einsatz würde hingegen erhebliche Mengen an Biomasse erfordern und damit neue Nutzungskonflikte schaffen, insbesondere mit der Nahrungsmittelproduktion und dem Schutz von Ökosystemen. Zudem sind Herstellung und Transport Energie und kostenintensiv.

Ähnliches gilt für den Einsatz von Gesteinsmehl aus Silikatgestein zur Bindung von CO₂. Zwar kann dieser Ansatz zur chemischen Bindung von Kohlendioxid beitragen, jedoch ist der Abbau, die Zerkleinerung und der Transport der benötigten Gesteinsmengen mit hohem Energieaufwand und erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Für einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz wären sehr große Mengen erforderlich, was den Ressourcenverbrauch massiv erhöhen würde. Gleichzeitig sind die langfristigen Auswirkungen auf Böden, Gewässer und Ökosysteme noch nicht ausreichend erforscht. Beide Ansätze könnten also als ergänzende Maßnahmen in bestimmten Bereichen sinnvoll sein. Ein großflächiger Einsatz ist weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar.

Technische Verfahren zur CO₂-Entnahme lehnen wir hingegen weitgehend ab. Sie sind häufig mit extrem hohen Kosten, erheblichem Energie- und Ressourcenverbrauch sowie ökologischen Risiken und damit auch mit gesellschaftlichen Kosten verbunden. Viele dieser Technologien sind bislang nicht im notwendigen Maßstab erprobt, bisher nicht skalierbar und werden dennoch als Lösung präsentiert, um weiterhin hohe Emissionen zurechtfertigen. Diese Scheinlösung lenkt davon ab, dass Emissionen konsequent vermieden und fossile Strukturen überwunden werden müssen.

Die Linke setzt also auf den Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme. Natürliche CO₂-Senken sind nicht nur wirksam für den Klimaschutz, sondern stärken zugleich die ökologische Resilienz und kommen der Gesellschaft insgesamt zugute. Vor allem hat die Vermeidung von Emissionen absolute Priorität.

Die Linke im Bundestag fordert:

  • Emissionsvermeidung konsequent in den Mittelpunkt der Klimapolitik zu stellen. Negative Emissionen dürfen nicht zur Rechtfertigung weiterer fossiler Investitionen dienen.
  • Forschung zu naturverträglichen Formen der CO₂-Bindung sowie zur weiteren Reduktion unvermeidbarer Emissionen zu stärken.
  • Maßnahmen so zu gestalten, dass sie sozial gerecht sind und insbesondere für Land- und Forstwirt*innen tragfähige Perspektiven bieten.
  • Flächenkonkurrenzen mit Nahrungsmittelproduktion und Biodiversitätsschutz zu vermeiden.

Klar ist: Negative Emissionen können Klimaschutz nicht ersetzen. Entscheidend ist, Treibhausgasemissionen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das Gemeinwohl muss vor Profitinteressen stehen. Eine wirksame Klimapolitik setzt daher auf Vermeidung, nicht auf nachträgliche Korrektur. Negative Emissionen können aber, bei einer wirksamen Klimapolitik natürliche Lebensgrundlagen stärken und unvermeidliche Restemissionen ausgleichen.