Zu dem Brief der 34 Stahl-Betriebsratsvorsitzenden an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erklärt Mirze Edis, industriepolitischer Sprecher:
"Die Überlegungen, die Stahlproduktion künftig europaweit auszuschreiben und energieintensive Produktionsschritte in Länder mit niedrigeren Energiepreisen zu verlagern, sind ein gefährlicher Irrweg. Wer so denkt, nimmt die schleichende Verlagerung unserer industriellen Wertschöpfung und den Verlust Tausender Arbeitsplätze in Kauf.
Als aktiver Betriebsrat und jemand, der seit Jahren für die Beschäftigten in der Stahlindustrie kämpft, weiß ich: Stahl ist nicht irgendein Produkt, das man dort herstellen lässt, wo es gerade am billigsten ist. Stahl bedeutet Heimat, Arbeitsplätze, industrielle Kompetenz, Ausbildung, Wohlstand und wirtschaftliche Unabhängigkeit. An jedem Stahl-Arbeitsplatz hängen sechs weitere Arbeitsplätze. Die Schließung eines Stahlstandortes bedeutet deshalb weit mehr als den Verlust von Arbeitsplätzen im Werk. Wenn die Stahlindustrie verschwindet, drohen ganze Industrieregionen wirtschaftlich abzustürzen. Doch während Milliarden für Rüstung zur Verfügung stehen, fehlt der politische Wille und der Mut, eine tragende Säule unserer Wirtschaft, die Stahlproduktion, zukunftsfest zu machen. Das zeugt von absolut fehlender Wirtschaftskompetenz und Mangel an Respekt gegenüber Arbeitenden in der Bundesregierung.
Mit unserem Antrag zur Rettung der Stahlindustrie nächste Woche im Bundestag stellen wir uns an die Seite unserer Wirtschaft und der Beschäftigten. Wir wollen eine klare politische Entscheidung für den Erhalt aller Stahlstandorte, sichere Arbeitsplätze und eine sozial gerechte Transformation hin zu klimaneutraler Stahlproduktion. Dazu gehören ein wettbewerbsfähiger Industriestrompreis, verlässliche Investitionen und eine aktive Beteiligung des Staates, wenn private Eigentümer ihrer Verantwortung nicht gerecht werden."
