Frauen, queere Menschen, trans* und intergeschlechtliche Personen haben in der Vergangenheit viele Kämpfe ausgetragen und viel erreicht. Trotzdem liegen Macht und Geld weltweit weiter überwiegend in den Händen von cis Männern. Das Patriarchat, ein Herrschaftssystem das Männer bevorzugt, besteht rechtlich, sozial, kulturell und finanziell fort.
Das spiegelt sich zum Beispiel darin, dass Frauen, queere Menschen, trans*, inter* und nicht binäre Personen auch hierzulande noch immer nicht das Recht haben, über den eigenen Körper zu entscheiden – der Paragraf 218 etwa verbietet Schwangerschaftsabbrüche, trans* und intergeschlechtliche Personen müssen oft um eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung kämpfen. Es spiegelt sich in geschlechtsspezifischer Gewalt: 80 Prozent der Betroffenen von Partnerschaftsgewalt sind Frauen, knapp 80 Prozent der Tatverdächtigen sind Männer. Frauen mit Behinderung, geflüchtete Frauen, trans*, inter* und nicht binäre Personen erfahren überdurchschnittlich häufig Gewalt.
Es spiegelt sich in geringerer Bezahlung und prekären Beschäftigungsverhältnissen, die überwiegend Frauen und queere Personen betreffen, bis hin zu Altersarmut und Wohnungslosigkeit. Es spiegelt sich darin, dass Sorgearbeit und „weibliche Berufe“ abgewertet werden, obwohl sie die Basis von Gesellschaft sind. Hier schließt sich ein Kreis: Die Mehrfachbelastung erschwert Frauen, trans*, inter* und nicht binären Personen oft zusätzlich den Zugang zu Vollzeitstellen, Führungspositionen und eigenständiger Altersvorsorge. Diese Aufzählung ist längst nicht vollständig.
Den einen Feminismus gab und gibt es nicht, weshalb oft der Begriff „Feminismen“ benutzt wird. Darunter gefasst werden vielfältige, teils auch miteinander in Konflikt stehende emanzipatorische Konzepte und Bewegungen, historisch wie aktuell. Der Feminismus der Linken im Bundestag versteht sich unter anderem als queer und intersektional.
Verschiedene Formen der Benachteiligung – zum Beispiel Rassismuserfahrung, Behinderung, Herkunft, soziale Lage sowie geschlechtliche und sexuelle Identität – müssen zusammengedacht werden. Nur so wird klar, warum Personen unterschiedlich und mehrfach von Diskriminierung betroffen sein können. Der Queerfeminismus baut auf diesem Gedanken auf. Er bricht mit der Vorstellung das Menschen sich nur als Männer und Frauen definieren können und dass Menschen nicht nur heterosexuell sind. Diese Normen schränkt nicht nur diejenigen ein, die nicht in sie passen, sondern alle Geschlechter.
Trotz formaler Gleichstellung bleibt vielen Frauen und queeren Personen ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes Leben verwehrt. Die Linke im Bundestag will soziale Gerechtigkeit, ökologischen Umbau und eine solidarische Gesellschaft für alle Menschen. Es braucht unter anderem die gerechte Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, von Care- und Erwerbsarbeit sowie sozialen, politischen, kulturellen und ökonomischen Ressourcen. Ziel eines Feminismus der Linken ist ein gutes Leben für alle – gleich, welchen Geschlechts oder welcher Herkunft eine Person ist.
