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40 Jahre Tschernobyl. Es gibt keine sichere Atomkraft

Rede von Lorenz Gösta Beutin,

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktion!

(Marcel Queckemeyer [AfD]: Was? Wir?)

Pommes – für mich ist Tschernobyl untrennbar verbunden mit dem Geruch von Pommes. Weltgeschichtliche Ereignisse erinnert man häufig, indem man sich genau daran erinnert, wo man da gerade war, was man gegessen hat, was man da gerade erlebt hat. Ich erinnere mich genau, wo ich war, als die Mauer 1989 fiel, ich erinnere mich genau an Nine Eleven und an die Ereignisse drumherum. An das, was wir da getan haben, erinnern sich die meisten von uns, die damals schon auf der Welt waren. Ich war in Tschernobyl.

(Andreas Bleck [AfD]: Ja! Das glaube ich! – Marcel Queckemeyer [AfD]: Das glaube ich sofort!)

Entschuldigung: Ich war in Kopenhagen mit meinen Eltern bei Freunden. Ich war sieben Jahre alt. Es gab Pommes. Zu Hause hatten wir keine Fritteuse. Die Freunde meiner Eltern hatten eine. Ich habe mich natürlich darauf gefreut; ich freue mich heutzutage immer noch über Pommes. Aber sie schalteten den Fernseher ein. Es lief die „Tagesschau“. In der „Tagesschau“ – es war möglicherweise der 28. April – kamen die ersten Nachrichten über den Super-GAU in Tschernobyl, die langsam nach außen drangen. Ich erinnere mich genau an das Erschrecken bei meinen Eltern, an das Erschrecken bei den Freunden meiner Eltern und auch an das Erschrecken bei mir; denn ich hatte selbstverständlich mit sieben Jahren schon mit meinen Eltern über dieses Thema geredet und wusste um die Gefahren der Atomkraft.

(Marcel Queckemeyer [AfD]: Oh ja!)

Schon 1981 hatten meine Eltern mich im Bollerwagen zur Demonstration mit 100 000 Menschen nach Brokdorf mitgenommen. Ich war in der Folge bei zahlreichen Anti-AKW-Demonstrationen.

(Marcel Queckemeyer [AfD]: Das sind die Folgeschäden dieses Unglücks!)

Ich war in der Jugendgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Ich habe damals die Grüne Alternative Jugend bei mir im Kreisverband mitgegründet. Ich bin heute stolz darauf, dass ich für Die Linke, für meine Partei Vorsitzender des Ausschusses sein kann, der sich gerade mit den Folgen und mit den Nachlassenschaften der Atomkraft auseinandersetzt – glücklicherweise nur mit den Nachlassenschaften, weil wir in Deutschland die Atomkraft hinter uns gelassen haben. Wir werden gemeinsam dafür kämpfen, dass das auch so bleibt.

(Beifall bei der Linken)

Der zivile Widerstand war wirksam, egal ob bei Brokdorf, Wackersdorf oder Krümmel; auch die große Menschenkette, die wir in den 2000er-Jahren gebildet haben, als es um den Wiedereinstieg in die Atomkraft ging, war wirksam. Genau das ist es, was wir jetzt wieder brauchen, wenn Herr Spahn seine Fantasien ausleben will oder Frau Reiche sagt, man müsse doch dahin gehen, und dann privat zur Atomlobby fährt, zu den Staatslenkern auf europäischer Ebene reist und da natürlich nur privat rumsitzt. Nein, wir brauchen auch jetzt diesen Widerspruch gegen die Apologeten der Atomkraft. Schauen Sie sich die Dokumentation in der ARD an, schauen Sie sich die Strahlenopfer von Tschernobyl an, und dann erzählen Sie irgendetwas von sicherer Atomkraft! Es wird niemals eine sichere Atomkraft geben. Es wird niemals eine sichere Endlagerung geben.

(Dr. Rainer Kraft [AfD]: Es wird niemals sicheren Sozialismus geben!)

Deshalb: „Atomkraft? Nein danke“ bleibt unser Motto.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der Linken)