Zur Unicef-Studie zu Kinderarmut erklärt Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende:
„Es ist bitter, dass es in Deutschland aktuell keine Mehrheiten für Parteien gibt, die gute Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche für ein Ziel halten, das bereits einen Wert an sich darstellt. Doch was das Ganze völlig ins Absurde abdriften lässt, sind Befunde, wie die des Instituts der deutschen Wirtschaft und von Unicef. Erneut wird das Offensichtliche festgehalten und mit Zahlen unterlegt: Die fehlenden Investitionen und Ausgaben für Kinder und Jugendliche – sei es bei Bildung, für soziale und kulturelle Teilhabe, Freizeitangebote, gezielte Förderung, aber auch bei ganz grundlegenden materiellen Dingen wie Kleidung und gesundem Essen – haben extreme Folgekosten. Für jede:n junge:n Erwachsene:n, der oder die keinen berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, werden im Laufe des Lebens durchschnittlich über 130.000 Euro mehr ausgegeben als über Steuern, Sozialabgaben und so weiter zurückfließen. Sowohl bei Menschen mit Berufsabschluss als auch bei Akademiker:innen ist diese Bilanz hingegen deutlich positiv.
Es ist mir unbegreiflich, wie die Bundesregierung solche Befunde konsequent ignorieren kann: Jede Ausgabe im Bildungsbereich kommt in Zukunft um ein Vielfaches wieder zurück, und umgekehrt ergibt jeder vermeintlich gesparte Euro mehrere Euro an Folgekosten. Dass insbesondere die Union sich dieser einfachen Logik verschließt und gleichzeitig als Partei mit Wirtschaftskompetenz gilt, ergibt absolut keinen Sinn. Wir brauchen endlich eine Offensive für eine bedarfsgerechte Ausstattung in der Kinder- und Jugendhilfe, ein Kooperationsgebot von Bund und Ländern im Bildungsbereich und Investitionen in Lehrkräfte und Gebäude – für die Kinder, aber genauso auch für die gesamte Volkswirtschaft. Der aktuelle Stellenwert von Kindern und Jugendlichen in dieser Regierung ist einfach nur beschämend! Kinder haben ein Recht darauf, in Würde und ohne Armut aufzuwachsen. Das wäre ohne Weiteres möglich – es ist nur eine Frage der Prioritätensetzung.“
